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 Buch Ethik Band 3 Teil II - Spinoza

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khatanka

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PostSubject: Buch Ethik Band 3 Teil II - Spinoza   Sat May 03, 2008 5:02 am

Sechsunddreißigster Lehrsatz
Wer sich eines Gegenstands erinnert, woran er sich einmal erfreut hat, begehrt denselben unter den gleichen Umständen zu besitzen, als da er sich zum erstenmal daran erfreute.

Siebenunddreißigster Lehrsatz
Die Begierde, welche aus Unlust oder Lust, aus Haß oder Liebe entspringt, ist um so stärker, je stärker der Affekt ist.

Achtunddreißigster Lehrsatz
Wenn jemand einen geliebten Gegenstand zu hassen begonnen hat, so daß die Liebe vollständig verdrängt wird, so wird er denselben, bei gleicher Ursache, stärker hassen, als wenn er ihn niemals geliebt hätte, und zwar um so stärker, je stärker vorher die Liebe gewesen ist.

Neununddreißigster Lehrsatz
Wer jemand haßt, wird bestrebt sein, ihm Übles zuzufügen, wenn er nicht fürchtet, daß daraus für ihn selbst ein größeres Übel entsteht. Umgekehrt wird, wer jemand liebt, bestrebt sein, ihm nach demselben Gesetz Gutes zuzufügen.

Vierzigster Lehrsatz
Wer sich vorstellt, daß er von jemand gehaßt wird, ohne daß er ihm einen Grund zum Haß gegeben zu haben glaubt, der wird denselben wiederum hassen.

Einundvierzigster Lehrsatz
Wer sich vorstellt, daß er von jemand geliebt wird, ohne daß er ihm einen Grund zur Liebe gegeben zu haben glaubt, der wird denselben wiederum lieben.

Zweiundvierzigster Lehrsatz
Wer aus Liebe oder in der Hoffnung auf Ehre jemand eine Wohltat erwiesen hat, der wird Unlust empfinden wenn er sieht, daß die Wohltat mit undankbarer Gesinnung empfangen wird.

Dreiundvierzigster Lehrsatz
Der Haß wird durch Erwiderung des Hasses verstärkt, kann dagegen durch Liebe getilgt werden.

Vierundvierzigster Lehrsatz
Der Haß, welcher durch Liebe gänzlich besiegt wird, geht in Liebe über; und die Liebe ist dann stärker, als wenn ihr der Haß nicht vorausgegangen wäre.

Fünfundvierzigster Lehrsatz
Wenn sich einer vorstellt, daß jemand seinesgleichen gegen einen Gegenstand seinesgleichen, den er liebt, von Haß erregt ist, so wird er ihn hassen.

Sechsundvierzigster Lehrsatz
Wenn jemand von einem Angehörigen eines andern Standes oder Volkes mit Lust oder Unlust erregt worden ist, verbunden mit der Idee desselben unter dem allgemeinen Namen seines Standes oder Volkes als Ursache, so wird er nicht nur ihn, sondern alle Angehörigen seines Standes oder Volkes lieben oder hassen.

Siebenundvierzigster Lehrsatz
Die Lust, welche aus der Vorstellung entspringt, daß ein gehaßter Gegenstand zerstört oder von einem andern Übel erregt wird, ist nicht ohne einige Unlust des Gemüts.

Achtundvierzigster Lehrsatz
Die Liebe und der Haß, z.B. gegen Peter, wird aufgehoben, wenn die Unlust, welche diese, und die Lust, welche jene in sich schließt, mit der Idee einer andern Ursache verknüpft wird. Auch wird die eine wie der andere insofern vermindert, sofern wir uns vorstellen, daß Peter nicht allein die Ursache davon gewesen ist.

Neunundvierzigster Lehrsatz
Die Liebe und der Haß gegen einen Gegenstand, den wir uns als frei vorstellen, müssen bei gleicher Ursache stärker sein als gegen einen notwendigen (unfreien).

Fünfzigster Lehrsatz
Jedes Ding kann zufällig (gelegentlich, durch einen Nebenumstand) Ursache der Hoffnung oder der Furcht sein.

Einundfünfzigster Lehrsatz
Verschiedene Menschen können von einem und demselben Objekt auf verschiedene Weise erregt werden, und derselbe Mensch kann von einem und demselben Objekt zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise erregt werden.

Zweiundfünfzigster Lehrsatz
Ein Objekt, das wir früher zugleich mit andern Objekten gesehen haben oder das nach unserer Meinung nichts an sich hat, was nicht auch, viele andere Objekte an sich haben, werden wir nicht so lange betrachten als ein Objekt, das nach unserer Meinung etwas Besonderes an sich hat.

Dreiundfünfzigster Lehrsatz
Wenn der Geist sich selbst und sein Tätigkeitsvermögen betrachtet, empfindet er Lust; und um so mehr, je deutlicher er sich und sein Tätigkeitsvermögen vorstellt.

Vierundfünfzigster Lehrsatz
Der Geist strebt, nur das sich vorzustellen, was sein Tätigkeitsvermögen setzt.

Fünfundfünfzigster Lehrsatz
Wenn sich der Geist sein Unvermögen vorstellt, so empfindet er eben dadurch Unlust.

Sechsundfünfzigster Lehrsatz
Von der Lust, der Unlust und der Begierde und folglich auch von jedem Affekt, der aus diesen zusammengesetzt ist, wie das Schwanken des Gemüts, oder der von diesen abgeleitet ist, wie Liebe, Haß, Hoffnung, Furcht usw., gibt es ebenso viele Arten, als es Arten von Objekten gibt, von denen wir erregt werden.

Siebenundfünfzigster Lehrsatz
Jeder Affekt eines jeden Individuums ist von dem Affekt eines andern um so viel unterschieden, als das Wesen des einen von dem Wesen des andern unterschieden ist.

Achtundfünfzigster Lehrsatz
Außer der Lust und der Begierde, welche Leiden sind, gibt es noch andere Affekte der Lust und der Begierde, die sich auf uns beziehen, sofern wir tätig sind.

Neunundfünfzigster Lehrsatz
Unter allen Affekten, die sich auf den Geist, sofern er tätig ist, beziehen, gibt es keine andern als solche, die sich auf die Lust oder die Begierde beziehen.


Definitionen der Affekte

Begierde ist des Menschen Wesen selbst, sofern es als durch irgendeine gegebene Erregung desselben zu einer Tätigkeit bestimmt begriffen wird.

Lust ist Übergang des Menschen von geringerer zu größerer Vollkommenheit.

Unlust ist Übergang des Menschen von größerer zu geringerer Vollkommenheit.

Bewunderung ist die Vorstellung eines Dinges, in welcher der Geist deshalb versunken bleibt, weil diese besondere Vorstellung keine Verbindung mit den sonstigen Vorstellungen hat.

Verachtung ist die Vorstellung eines Dinges, welche den Geist so wenig berührt, daß der Geist durch die Gegenwart des Dinges mehr bewegt wird, das vorzustellen, was an dem Ding nicht ist, als was an ihm ist.

Die Definitionen der Hochachtung und der Geringschätzung lasse ich hier beiseite, weil meines Wissens keine Affekte ihren Namen von ihnen ableiten.

Liebe ist Lust, verbunden mit der Idee einer äußern Ursache.

Haß ist Unlust, verbunden mit der Idee einer äußern Ursache.

Zuneigung ist Lust, verbunden mit der Idee eines Dinges, welches zufällig (gelegentlich, durch einen Nebenumstand) Ursache der Lust ist.

Abneigung ist Unlust, verbunden mit der Idee eines Dinges, welches zufällig Ursache der Unlust ist.

Ergebenheit ist Liebe zu jemand, den wir bewundern.

Verhöhnung (Spott) ist Lust, daraus entsprungen, daß wir uns vorstellen, es sei etwas, das wir verachten, an einem Gegenstand, den wir hassen.

Hoffnung ist unbeständige Lust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges (Sache), über dessen Ausgang wir in gewisser Hinsicht im Zweifel sind.

Furcht ist unbeständige Unlust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges (Sache), über dessen Ausgang wir in gewisser Hinsicht im Zweifel sind.

Zuversicht ist Lust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges, bei welchem die Ursache des Zweifelns geschwunden ist.

Verzweiflung ist Unlust, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges, bei welchem die Ursache des Zweifelns geschwunden ist.

Freude ist Lust, verbunden mit der Idee eines vergangenen Dinges, welches unverhofft eingetroffen ist

Gewissensbiß ist Unlust, verbunden mit der Idee eines vergangenen Dinges, welches unerwartet eingetroffen ist.

Mitleid ist Unlust, verbunden mit der Idee eines Übels, das einem andern, den wir uns als unseresgleichen vorstellen, begegnet ist.

Gunst ist Liebe zu jemand, der einem andern Gutes getan.

Entrüstung ist Haß gegen jemand, der einem andern Böses getan.

Überschätzung ist, von jemand aus Liebe eine größere Meinung haben, als recht ist.

Unterschätzung ist, von jemand aus Haß eine geringere Meinung haben, als recht ist.

Mißgunst ist Haß, sofern er den Menschen so erregt, daß er sich über das Glück eines andern betrübt und sich dagegen über das Unglück eines andern freut.

Mitgefühl (Barmherzigkeit) ist Liebe, sofern sie den Menschen so erregt, daß er sich über das Glück eines andern freut und sich dagegen über das Unglück eines andern betrübt.

Selbstzufriedenheit ist Lust, daraus entsprungen, daß der Mensch sich selbst und sein Tätigkeitsvermögen betrachtet.

Niedergeschlagenheit ist Unlust, daraus entsprungen, daß der Mensch sein Unvermögen oder seine Schwäche betrachtet.

Reue ist Unlust, begleitet von der Idee einer Tat, die wir aus freier Entschließung des Geistes getan zu haben glauben.

Hochmut (Stolz) ist, aus Liebe zu sich selbst eine größere Meinung von sich haben, als recht ist.

Kleinmut ist, aus Unlust eine geringere Meinung von sich haben, als recht ist.

Ehre (Ehrfreude) ist Lust, verbunden mit der Idee einer eigenen Handlung, die wir uns von andern gelobt vorstellen.

Scham ist Unlust, verbunden mit der Idee einer eigenen Handlung, die wir uns von andern getadelt vorstellen.

Sehnsucht ist Begierde oder Verlangen nach dem Besitze eines Dinges, welches durch die Erinnerung an das betreffende Ding genährt wird, aber durch die Erinnerung an andere Dinge, welche die Existenz des verlangten Dinges ausschließen, eingeschränkt wird.

Wetteifer ist Begierde nach einem Ding, welche in uns dadurch erzeugt wird, daß wir uns vorstellen, andere hätten diese Begierde.

Dank oder Dankbarkeit ist die Begierde oder das Bestreben der Liebe, dem wohlzutun, der uns aus gleichem Affekt der Liebe wohlgetan hat.

Wohlwollen ist die Begierde, dem wohlzutun, den wir bemitleiden.

Zorn ist die Begierde, durch welche wir aus Haß gegen jemand angetrieben werden, dem Böses zuzufügen, den wir hassen.

Rachsucht ist die Begierde, durch welche wir aus Gegenhaß angetrieben werden, dem Böses zuzufügen, der uns aus Haß Böses zugefügt hat.

Grausamkeit oder Wut ist die Begierde, durch welche jemand angetrieben wird, dem Böses zuzufügen, den wir lieben oder den wir bemitleiden.

Scheu ist die Begierde, ein größeres Übel, das wir befürchten, durch ein geringeres zu vermeiden.

Kühnheit ist die Begierde, durch welche jemand angetrieben wird, etwas zu tun, trotz einer damit verbundenen Gefahr, die andere seinesgleichen von dieser Tat abhält.

Ängstlichkeit wird dem beigelegt, dessen Begierde eingeschränkt wird durch die Furcht vor einer Gefahr, welcher sich andere seinesgleichen beherzt unterziehen.

Bestürzung wird dem beigelegt, dessen Begierde, ein Übel zu vermeiden, eingeschränkt wird durch die Verwunderung über ein Übel, das er fürchtet.

Menschenfreundlichkeit oder Leutseligkeit ist die Begierde zu tun, was den Menschen gefällt, und zu unterlassen, was ihnen mißfällt.

Ehrgeiz ist unmäßige Begierde nach Ehre.

Schwelgerei ist die unmäßige Begierde oder auch Liebe zum Schmausen.

Trunksucht ist unmäßige Begierde und Liebe zum Zechen.

Habsucht (Geiz) ist unmäßige Begierde und Liebe zu Reichtümern.

Lüsternheit ist Begierde und Liebe zur fleischlichen Vermischung.

Über die Definitionen der Eifersucht und der übrigen Gemütsschwankungen gehe ich hinweg, sowohl deswegen, weil sie durch eine Verbindung der bereits definierten Affekte entstehen, als auch darum, weil die meisten keine Namen haben; was zeigt, daß für das praktische Leben schon eine allgemeine Kenntnis derselben genügt.

Aus den Definitionen der Affekte, die wir erläutert haben, geht übrigens mit Klarheit hervor, daß sie alle aus der Begierde, der Lust oder der Unlust entspringen, oder vielmehr, daß alle nichts anderes sind als eben diese drei Affekte, von denen jeder mit verschiedenen Namen belegt wird, je nach den verschiedenen äußerlichen Beziehungen und Benennungen.

Wenn wir nun diese drei Hauptaffekte wie auch das, was oben über die Natur des Geistes ausgeführt wurde, ins Auge fassen, so werden wir die Affekte, sofern sie sich nur auf den Geist beziehen, folgendermaßen definieren können.

Allgemeine Definition der Affekte

Ein Affekt, auch Leidenschaft genannt, ist eine verworrene Idee, durch welche der Geist von seinem Körper oder einem Teil desselben eine größere oder geringere Existenzkraft bejaht als vorher und durch deren Vorhandensein der Geist selbst bestimmt wird, mehr an dies als an jenes zu denken.
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