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 Titel: Buch Ethik Band 4 Teil IV - Spinoza

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khatanka

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PostSubject: Titel: Buch Ethik Band 4 Teil IV - Spinoza   Sat May 03, 2008 5:07 am

§ 16
Außerdem wird die Eintracht auch vielfach durch die Furcht erzeugt; doch dieser Eintracht fehlt die Treue (Zuverlässigkeit). Dazu kommt, daß die Furcht einem geistigen Unvermögen entspringt und darum zum Gebrauch der Vernunft nicht gehört, sowenig als das Mitleid, obgleich es anscheinend eine Art von Frömmigkeit ist.

§ 17
Die Menschen werden außerdem durch Freigebigkeit gewonnen, diejenigen besonders, welche nicht in der Lage sind, das zum Lebensunterhalt Notwendige sich zu verschaffen. – Doch übersteigt es weit die Kräfte und den Nutzen eines Privatmannes, jedem Bedürftigen Hilfe gewähren zu können, da der Reichtum eines Privatmannes lange nicht hinreicht, dies zu leisten. Zudem ist auch die geistige Fähigkeit eines Einzelnen viel zu beschränkt, um sich alle in Freundschaft verbinden zu können. Darum liegt die Sorge für die Armen der ganzen Gesellschaft ob und gehört nur zum Gemeinwohl.

§ 18
In der Annahme von Wohltaten und Dankesbezeigung muß ein ganz anderes Verhalten beobachtet werden.

§ 19
Die sinnliche Liebe sodann, d.h. die Geschlechtslust, welche die körperliche Schönheit einflößt, wie überhaupt jede Liebe, welche eine andere Ursache als die geistige Freiheit anerkennt, geht leicht in Haß über; wenn sie nicht, was noch schlimmer ist, eine Art des Wahns ist, in welchem Falle sie mehr durch Zwietracht als durch Eintracht genährt wird.

§ 20
Was die Ehe anbelangt, so ist es gewiß, daß sie mit der Vernunft übereinstimmt, wenn die Begierde nach fleischlicher Vermischung nicht bloß von der äußerlichen Schönheit, sondern auch von dem Verlangen, Kinder zu zeugen und weise zu erziehen, hervorgerufen wird und wenn außerdem die gegenseitige Liebe von Mann und Weib nicht bloß die Körperschönheit, sondern vornehmlich die Geistesfreiheit zur Ursache hat.

§ 21
Auch die Schmeichelei erzeugt Eintracht, aber durch das häßliche Laster der Knechtsseligkeit oder durch Heuchelei. Denn niemand läßt sich mehr durch Schmeichelei einnehmen als die Hochmütigen, welche die ersten sein möchten, aber nicht sind.

§ 22
Im Kleinmut (Demut, Selbsterniedrigung) steckt eine falsche Art von Frömmigkeit und Religion. Und obgleich der Kleinmut dem Hochmut gegenübersteht, so steht doch der Kleinmütige dem Hochmütigen am nächsten.

§ 23
Die Scham fördert die Eintracht nur in solchen Dingen, die sich nicht verbergen lassen. Weil ferner die Scham eine Art Unlust ist, gehört sie nicht zum Gebrauch der Vernunft.

§ 24
Die übrigen Affekte der Unlust gegen andere Menschen sind das gerade Gegenteil von Gerechtigkeit, Billigkeit, Ehrbarkeit, Frömmigkeit und Religion. Und obgleich die Entrüstung anscheinend eine Art der Billigkeit ist, so lebt man doch da gesetzlos, wo es jedem erlaubt ist, über die Taten anderer abzuurteilen und sich oder einem andern sein Recht zu verschaffen.

§ 25
Die Leutseligkeit, d.h. die Begierde, den Menschen zu gefallen, gehört, wenn sie aus der Vernunft hervorgeht, zur Frömmigkeit. Entspringt sie aber aus dem Affekt, so ist sie Ehrgeiz oder eine Begierde, durch welche die Menschen unter dem falschen Schein der Frömmigkeit meist Zwietracht und Aufruhr erregen. Denn wer die Nebenmenschen mit Rat oder Tat zu unterstützen strebt, daß sie, wie er selbst, des höchsten Guts teilhaftig seien, der wird in erster Linie darnach trachten, sich ihre Liebe zu gewinnen; er wird aber nicht darauf ausgehen, von ihnen bewundert zu werden, damit seine Lehre nach seinem Namen benannt werde, und wird ihnen überhaupt keinerlei Anlaß zum Neid geben. Auch wird er sich im gewöhnlichen Gespräch hüten, die Laster der Menschen aufzuzählen, und über das menschliche Unvermögen wird er nur spärlich zu sprechen suchen, desto mehr dagegen von der menschlichen Tugend oder dem menschlichen Vermögen und über die Mittel, durch welche dieses vervollkommnet werden kann; damit so die Menschen nicht aus Furcht oder Abneigung, sondern von dem Affekt der Lust allein angetrieben, nach der Vorschrift der Vernunft, so gut sie können, zu leben streben.

§ 26
Außer dem Menschen kennen wir kein Einzelding in der Natur, an dessen Geist wir uns erfreuen können und mit dem wir uns in Freundschaft oder irgendeiner Art des Umgangs zu verbinden vermöchten. Alles andere, was es außer den Menschen in der Natur gibt, zu erhalten, fordern darum die auf unsern Nutzen abzielende Vernunft nicht; vielmehr lehrt sie uns, es je nach seiner mannigfachen Brauchbarkeit zu erhalten, zu zerstören und auf jedwede Art unserem Nutzen anzupassen.

§ 27
Der Nutzen, den wir von den Dingen außerhalb des Menschen ziehen, besteht, neben der Erfahrung und Erkenntnis, die wir gewinnen, indem wir sie beobachten und von einer Form in die andere umwandeln, hauptsächlich in der Erhaltung unseres Körpers. In dieser Hinsicht sind diejenigen Dinge besonders nützlich, welche den Körper in der Weise kräftigen und nähren können, daß alle seine Teile ihre Funktionen gehörig verrichten können. Denn je befähigter der Körper ist, auf vielerlei Weisen erregt zu werden und die äußern Körper auf vielerlei Weisen zu erregen, um so befähigter ist auch der Geist zum Denken (s. die Lehrsätze 38 und 39). Dinge von solcher Qualität gibt es aber, wie es scheint, in der Natur sehr wenig. Zur Ernährung des Körpers, wie es erforderlich ist, ist daher der Gebrauch vieler Nahrungsmittel von verschiedener Natur nötig. Denn der menschliche Körper ist aus sehr vielen Teilen von verschiedener Natur zusammengesetzt, welche einer fortwährenden und mannigfaltigen Ernährung bedürfen, damit der ganze Körper zu allem, was aus seiner Natur erfolgen kann, gleich befähigt sei und folglich auch der Geist gleich befähigt sei, vieles zu begreifen.

§ 28
Um sich aber dies zu verschaffen, dazu würden die Kräfte eines Einzelnen kaum hinreichen, wenn sich die Menschen nicht gegenseitige Hilfe leisteten. – Aller Dinge Inbegriff aber ist das Geld. Daher kommt es, daß der Geist der Menge am meisten von der Vorstellung des Geldes eingenommen wird; weil man sich kaum irgendeine Art der Lust vorstellen kann, mit welcher nicht die Idee des Geldes als Ursache verbunden wäre.

§ 29
Ein Laster ist dies aber nur bei denen, welche nicht aus Not noch aus sonst einer Notwendigkeit Geld erwerben wollen, sondern weil sie die Kniffe kennen, wie man Profit macht, womit sie ungemein großtun. Im übrigen pflegen sie ihren Körper aus Gewohnheit, aber kärglich, weil sie die Summen, die sie auf die Erhaltung ihres Körpers verwenden, als Verlust an ihren Gütern betrachten. – Wer dagegen den wahren Nutzen des Geldes kennt und das Maß des Reichtums nur nach dem Bedarf abmißt, der lebt mit wenigem zufrieden.

§ 30
Da also jene Dinge gut sind, welche die Teile des Körpers in der Verrichtung ihrer Funktionen fördern, und die Lust darin besteht, daß das Vermögen des Menschen, sofern es in Geist und Körper besteht, gefördert oder vermehrt wird, so ist also alles das, was Lust verschafft, gut. Da nun aber die Dinge nicht zu dem Zweck tätig sind um uns mit Lust zu erregen, und ihr Tätigkeitsvermögen sich nicht nach unserem Nutzen richtet, da endlich meistens die Lust sich hauptsächlich auf Einen Körperteil bezieht, darum haben die Lustaffekte (wenn nicht Vernunft und Wachsamkeit dabei sind) und folglich auch die Begierden, die aus ihnen entstehen, meistens ein Übermaß. Dazu kommt, daß wir aus Affekt das für das Wichtigste halten, was in der Gegenwart angenehm ist, und das Zukünftige nicht mit gleichem Affekt des Gemüts schätzen können.

§ 31
Der Aberglaube dagegen scheint das für gut zu erklären, was Unlust, für schlecht, was Lust verschafft. Allein, wie ich schon gesagt habe, niemand als ein Mißgünstiger freut sich über mein Unvermögen und mein Unbehagen. Denn von je mehr Lust wir erregt werden, zu desto größerer Vollkommenheit gehen wir über, und um so mehr sind wir folglich der göttlichen Natur teilhaftig. Und niemals kann die Lust schlecht sein, welche von der Vernunft, unserem wahren Nutzen entsprechend, gemäßigt wird. – Wer sich dagegen von der Furcht leiten läßt und das Gute tut, um das Schlechte zu vermeiden, der wird nicht von der Vernunft geleitet.

§ 32
Das menschliche Vermögen aber ist sehr beschränkt und wird von dem Vermögen der äußern Ursachen unendlich übertroffen. Darum haben wir keine absolute Macht, die Dinge, welche außer uns sind, unserem Nutzen anzupassen. Doch werden wir alles unserem Nutzen Widerstrebende, das uns begegnet, mit Gleichmut ertragen, wenn wir uns bewußt sind, daß wir unsere Pflicht erfüllt haben und daß das Vermögen, welches wir haben, sich nicht so weit erstreckt, daß wir es hätten vermeiden können und daß wir nur ein Teil der Natur sind, deren Ordnung wir folgen. Wenn wir das klar und deutlich einsehen, so wird Der Teil von uns, welcher als Erkenntnis definiert wird, d.h. der bessere Teil in uns, dabei völlig beruhigt sein und in dieser Beruhigung zu verharren streben. Denn sofern wir erkennen, können wir nichts anderes begehren als das, was notwendig ist, und überhaupt nur im Wahren beruhigt sein. Sofern wir daher dieses richtig erkennen, insofern stimmt das Bestreben unseres besseren Teils mit der Ordnung der ganzen Natur überein.
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